Seiteninhalt

Gutes Beispiel Klimaschutz

Klimaschutz und Energiewende finden statt im Landkreis Miesbach. Lassen Sie sich von den Beispielen auf dieser Seite für Ihre eigene Energiewende inspirieren.
Die Liste wird laufend erweitert. Wenn Sie ein "Gutes Beispiel" kennen, das hier platziert werden sollte, melden Sie sich bei der Klimaschutzmanagerin Veronika Halmbacher im Landratsamt.

04.06.2018

Mit gutem Beispiel voran - Strom sparen im Luxushotel

Das Relais & Chateau Park-Hotel Egerner Höfe in Rottach-Egern steht seit 26 Jahren für Luxusurlaub am Tegernsee. Auf den Lorbeeren hat sich Hoteldirektor Maximilian Manzenrieder aber nie ausgeruht, sondern konsequent versucht, das Haus energieeffizienter zu machen. Der Erfolg gibt ihm recht: Mit dem, was er inzwischen einspart, könnten fast 100 Vier-Personen-Haushalte ein ganzes Jahr lang mit Strom versorgt werden.

Restaurants, Küche, Wäscherei, Spa-Bereich und 98 Gästezimmer: Ein großes Hotel wie die Egerner Höfe benötigt jede Menge Strom und Energie. „Im Jahr 2008 hatten wir den höchsten Stromverbrauch, nämlich 1,5 Millionen Kilowattstunden“, erinnert sich Maximilian Manzenrieder. „Ich habe mich damals gefragt, wie wir als Unternehmen das in Zukunft bezahlen sollen, wenn die Entwicklung so weiter geht.“

Und weil jedes große Projekt mit einem kleinen Schritt beginnt, hat sich der Hotelchef einfach überlegt, an welchen Stellen sich der Strom am besten einsparen lässt.

Alle Lampen persönlich gezählt

Der rührige Hotelchef widmete sich als erstes den knapp 2000 Lichtquellen im ganzen Haus. „Ich habe alle gezählt und erfasst, um eine Basis zu bekommen, mit der ich kalkulieren kann.“ Nach und nach habe er jede der Lampen auf LED umgestellt – angefangen bei denen, die rund um die Uhr brennen wie jene im Foyer oder auf den Fluren. Zwar waren LED-Birnen damals noch deutlich teurer als heute, aber er hatte errechnet, dass sich die Investition in gerade mal neun Monaten amortisieren würde. In einem zweiten Schritt wurden Bewegungsmelder installiert – dort, wo sie sich lohnen. „Allein mit der Beleuchtung spare ich mittlerweile 260.000 Kilowattstunden Strom im Jahr ein“, rechnet er vor.

Doch damit nicht genug. „In Küche und Wäscherei habe ich separate Stromzähler einbauen lassen“, sagt der gelernte Hotelkaufmann. Er wollte herausfinden, wo dort der meiste Strom verbraucht wird, und kam zu dem wenig überraschenden Ergebnis: „Herde, Wäschetrockner und Mangel verbrauchen Strom ohne Ende.“ Deshalb wurde auch hier die Technik erneuert, die Herde wurden auf Induktionstechnik umgestellt und sogar neue Saunaöfen angeschafft. „Die neuen haben mehrere Heizregister und verbrauchen zwei Drittel weniger Strom – und die Saunagäste spüren keinen Unterschied.“

Die Erfolge bei der Energieeinsparung spornten Manzenrieder an: „Ich habe mir von Fachleuten und über das Internet weitere Informationen beschafft, um  den Energieverbrauch zu optimieren. Vor allem die Spitzenlasten beim Stromverbrauch hatte ich im Auge“. Dabei ging Manzenrieder auch ungewöhnliche Wege: Um sich Anregungen zu holen, hat er sich Anlagen zur Energieoptimierung auf Kreuzfahrtschiffen angesehen. „Die müssen ja schließlich auch mit dem Strom auskommen, den sie produzieren.“

Eigenes Blockheizkraftwerk im Keller

Die größte Neuerung war aber sicherlich der Bau eines eigenen Blockheizkraftwerkes, das 2009 in Betrieb ging und 130 Kilowatt Leistung bringt. Wichtig ist ein ausreichend großer Pufferspeicher, da die Spitzen im Stromverbrauch morgens und abends erreicht werden. Als Backup, falls das Blockheizkraftwerk ausfällt oder gewartet werden muss, dienen zwei herkömmliche Heizkessel. Zusammen mit den Fachleuten vom e-werk Tegernsee und der Energie Südbayern entstand eine Anlage, die seither problemlos läuft.

Oberste Prämisse bei allen Einsparungen ist laut Manzenrieder immer gewesen: Für die Gäste dürfen keine Nachteile oder Komfortverluste entstehen. Beispielsweise hat er auch mal versucht, die kleinen Seifenstückchen auf den Zimmern durch Seifenspender zu ersetzen. „Die meisten Stücke werden nämlich nur wenige Male benutzt und dann weggeworfen, einige Gäste wünschen sich dann aber die Seifenstücke zurück.“ Diesem Wunsch sei er dann auch nachgekommen.

Und letztlich fruchten auch die besten Kalkulationen nicht, wenn die Mitarbeiter nicht mitziehen. Deshalb habe er sie gezielt geschult, mit der Energie vernünftig umzugehen. „Es ist wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Energie nicht unbegrenzt vorhanden ist.“

Einsparungen von 150.000 Euro

Für die nahe Zukunft kann sich Manzenrieder vorstellen, noch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der hoteleigenen Tiefgarage errichten zu lassen. Das müsse er aber erst noch durchrechnen. Doch auch so ist er mit seiner Energiesparbilanz schon recht zufrieden: „Insgesamt spare ich mit allen Maßnahmen jedes Jahr rund 400.000 Kilowattstunden Strom ein, die Spitzenlast wurde um 30 Prozent verringert.“ Die Energiekosten für das Haus haben sich dadurch um 150.000 Euro pro Jahr gesenkt. Wenn man bedenkt, dass für einen Vier-Personen-Haushalt in Deutschland 4200 Kilowattstunden als durchschnittlicher Jahresstromverbrauch angenommen werden, könnte man mit dem eingesparten Strom beinahe 100 solcher Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgen.

Manzenrieder wünscht sich möglichst viele Nachahmer in seinem Gewerbe. „Viele Inhaber und Direktoren von Hotels machen zu wenig in diese Richtung. Dabei ist es wirklich sinnvoll, seine Energie zentral selbst zu produzieren – von den wirtschaftlichen Aspekten einmal ganz abgesehen.“

Autor und Fotos: Felix Filke/PSE