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14.01.2019

Tag 8 des Katastrophenfalls im Landkreis Miesbach

Schnee und Regen drücken auf den Landkreis Miesbach, vor allem auf die Dächer. Hunderte Häuser wurden bereits abgeräumt, viele weitere werden noch folgen. Wieder sind Hunderte Helfer aus ganz Bayern zur Unterstützung der hiesigen Einsatzkräfte angereist. Glücklicherweise gab es noch keine größeren Verletzungen und Schäden. Aber Tag acht des K-Falls bringt die Einsatzkräfte mehr und mehr an ihre Grenzen. Die Lage ist weiterhin sehr kritisch.

Mittlerweile sind die meisten Straßen im Landkreis Miesbach wieder befahrbar. Doch jetzt hat sich das Schneeproblem von der Straße auf die Dächer verlagert: Fast alle der heute eingesetzten 1.100 Helfer befreiten Dächer von der Schneelast. Diese Arbeit ist gefährlich und anstrengend, die Belastung für alle Einsatzkräfte ist sehr hoch. Zig Dächer müssen noch abgeräumt werden.

Alle Einsätze werden weiterhin über die Führungsgruppe Katastrophenschutz disponiert, die im 24-Stunden-Schichtbetrieb im Landratsamt den Überblick behält. Hauptaufgabe ist die Priorisierung und Koordinierung der Einsätze, die immer eine sehr schwierige Einzelfallentscheidung ist. Zuerst wurden die großen öffentlichen Gebäude abgeräumt. In den Turnhallen sind die Kräfte von außerhalb untergebracht. Zusätzlich werden Vorkehrungen getroffen, um möglicherweise Evakuierte zu versorgen.

Die Liste an abgeräumten Häusern ist inzwischen lang. Alle Gebäude, die im Notfall besonders schwierig zu evakuieren wären (z.B. Seniorenresidenzen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, Ställe), werden so schnell wie möglich von der Dachlast befreit. Die Entscheidung, welche Dächer zuerst abgeräumt werden müssen, erfordert große Verantwortung.

Unterstützung für die unermüdlichen Einsatzkräfte aus dem Landkreis kommt aus ganz Bayern. Heute waren im Einsatz:

  • Feuerwehr 650 (davon 520 aus Hilfskontingenten der Landkreise Regensburg, Starnberg, Landsberg und Mittelfranken)
  • BRK 90 (mit Unterstützung aus München, Pfaffenhofen, Ingolstadt, Freising und Ebersberg)
  • THW 200 (mit Unterstützung aus Lauf an der Pegnitz, Roth, München, Weilheim, Bad Aibling, Rosenheim, Karlsbad, Ochsenfurt, Kitzingen, Regensburg)
  • Bundeswehr 150 (Gebirgsjägerbrigade Füssen und Pionierbataillon Ingolstadt)
  • Bereitschaftspolizei 150

Trotz der andauernden extremen Arbeitsbelastung und der angespannten Lage konnten bisher glücklicherweise keine schlimmeren Schäden verzeichnet werden. Ein Fahrrad-Unterstand am Bahnhof der Gemeinde Bayrischzell ist bisher das einzige Gebäude, das unter der Schneelast zusammenbrach. Ein Feuerwehrler verdrehte sich das Bein, ein Privatmann stürzte vom Dach und brach sich das Bein. Zirka 80 leichte Verkehrsunfälle ereigneten sich bisher, drei mit leichtem Personenschaden.

Die Lage in den Bergen hat sich weiterhin verschärft: Aktuell gilt die Lawinenwarnstufe 4. Berg-, Wald- und Forststraßen sind zum größten Teil nicht befahrbar. Wintersportler sollten sich den Witterungsbedingungen entsprechend verhalten und unwegsames Gelände meiden. Die Spitzingstraße war wegen zwei Lawinenabgängen in der Nacht von Sonntag auf Montag bis zum Montagnachmittag gesperrt.

Die „Koordinierungsgruppe Schulausfall“ hat heute Vormittag entschieden, dass der Schulunterricht im Landkreis auch am Dienstag noch entfallen muss. Ziel wäre es, den Schulbetrieb am Mittwoch wieder aufzunehmen – aber dazu müssen erst sichere Schulwege gewährleistet werden können.

Die Wetterprognose verheißt nichts Gutes: Der Deutsche Wetterdienst korrigierte seine Vorhersage im Laufe des Montags deutlich und warnt mittlerweile wieder vor starkem Schneefall und Sturmböen. Wie lange sich diese Großschadenslage für den Landkreis Miesbach noch zieht, kann momentan noch nicht abgeschätzt werden.

Durch den plötzlich einsetzenden Schneefall und Glätte verkeilten sich am Spätnachmittag auf der Autobahn A8 bei der Autobahnausfahrt Holzkirchen mehrere LKW. Die A8 muss für mehrere Stunden gesperrt werden, der Rückstau ist immens. An der Autobahnpolizeistation Holzkirchen wurde zur Entlastung der Führungsgruppe Katastrophenschutz eine separate „Koordinierungsgruppe Autobahn“ eingerichtet.

Alle aktuellen Informationen gibt es auf www.landkreis-miesbach.de, am Bürgertelefon des Katastrophenschutzes unter 08025 704 6666 oder in der kostenlosen Warn-App „NINA“.