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16.01.2019

Was passiert aktuell in Bayrischzell?

Während sich die Lage im Gesamt-Landkreis Miesbach zunehmend entspannt, bereitet die Schneelast auf den Dächern in der Gemeinde Bayrischzell weiterhin große Probleme.

Die Einsatzkräfte konzentrieren sich momentan schwerpunktsmäßig auf Bayrischzell. Dort liegt mehr Schnee als in vielen anderen Gemeinden. Er ist extrem schwer und hat sich auf den Dächern festgefroren. Einsatzkräfte berichten, dass der Schnee auf den Dächern „schwer wie Beton“ sei. Am Dienstag waren ungefähr 700 Helfer dort mit Schaufeln beschäftigt. Am Mittwoch sind es 800. Zum Vergleich: In Bayrischzell leben ungefähr 1.600 Menschen.

Zur Koordination der Einsatzkräfte wurde vor Ort eine extra „Einsatzleitung Bayrischzell“ eingerichtet. Dort entscheidet der Einsatzleiter nach Beratung mit den Baufachberatern des THW über die Abschaufel-Strategie.

Dahinter steht ein riesiger logistischer Aufwand: In Bayrischzell stehen ungefähr 800 Häuser. Viel wurde schon privat, in Nachbarschaftshilfe oder von Einsatzkräften in der vergangenen Woche abgeschaufelt. Trotzdem bleiben noch ungefähr 400 (!) Häuser, die von der Dachlast befreit werden müssen. Darunter sind auch Ställe, die besonders schwierig zu evakuieren wären.

Die Einsatzleitung hat die Gemeinde in 20 ungefähr gleich große Parzellen eingeteilt. Mehrere Baufachberater-Teams sichten die Häuser dann parzellenweise. Dabei wird pragmatisch vorgegangen: Wenn beispielsweise die ersten Häuser einer Parzelle alle als gefährdet eingestuft werden, gilt das erfahrungsgemäß auch für die nächsten Häuser.

Anschließend verteilt der Einsatzleiter alle Kräfte auf die Parzellen. So schaufelten Bundeswehr-Soldaten aus Murnau beispielsweise die Dächer am unteren Teil der Schlierseer Straße frei. Das Feuerwehrhilfskontingent aus Dachau war in der Tiroler Straße beschäftigt. Drei der 20 Parzellen sind bereits komplett fertig, acht weitere in Arbeit. Ohne die Hilfe aus ganz Bayern, die wegen des K-Falls anrückte, wäre diese Leistung schlichtweg nicht möglich.

In den engen Straßen im Ortszentrum kann der viele Schnee nicht lagern. Er wird deshalb raus transportiert und von Pistenraupen auf die umliegenden Felder verteilt.

Nicht alle Häuser müssen abgeschaufelt werden: Zirka 12 % der begutachteten Häuser sind nicht gefährdet. Wessen Haus in eine niedrige Gefährdungskategorie eingestuft wurde, muss sich auf eigenen Wunsch nach wie vor selbst um einen privaten Dienstleister kümmern.

Der Wetterbericht sagt Tauwetter voraus. Das könnte den Einsatzkräften entgegen kommen.

Trotz des enormen Aufwands läuft die große Räumaktion bisher reibungslos. Alle Einsatzkräfte geben an Tag 10 dieser Ausnahmesituation noch einmal alles. Ziel ist es, am Donnerstag mit allen Häusern fertig zu werden. Es ist eine Belastungsprobe für alle.

Alle aktuellen Informationen gibt es auf www.landkreis-miesbach.de, am Bürgertelefon des Katastrophenschutzes unter 08025 704 6666 oder in der kostenlosen Warn-App „NINA“.