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15.05.2020 Update Corona Landkreis Miesbach

In der Pflegeeinrichtung in Schliersee, die besonders von der Ausbreitung von Covid-19 betroffen ist, stabilisiert sich durch den Einsatz der Bundeswehr und die Unterstützung von BRK und THW die Lage. Der Krisenstab des Landkreises hat die federführende Koordination aller Maßnahmen übernommen.

In der Pflegeeinrichtung haben sich bisher insgesamt 18 Bewohner und sieben Mitarbeiter mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert. Ein Bewohner und eine Mitarbeiterin verstarben im Zusammenhang mit dem Coronavirus. Sieben Bewohner werden stationär im Krankenhaus betreut, die übrigen 87 in der Einrichtung verbliebenen Bewohner sind stabil.

Durch den Einsatz der Bundewehr seit knapp einer Woche ist es möglich, dass die Bewohner soweit medizinisch vertretbar in der Einrichtung bleiben. Die gewohnte Umgebung ist für ältere und kranke Menschen besonders wichtig. Gleichzeitig muss der Krisenstab verhindern, die umliegenden Krankenhäuser und Covid-Kliniken zu überlasten, damit diese sich auf die Betreuung intensivpflichtiger Patienten konzentrieren können.

Bundeswehr, BRK Kreisverband Miesbach und THW Ortsverband Miesbach haben unter der Koordination des Krisenstabs die Organisation innerhalb des Hauses auf die veränderten Bedürfnisse angepasst. So wurde u.a. außerhalb des Hauses ein Schleusen-Zelt für die Soldatinnen und Soldaten errichtet. Außerdem wurden vor dem Haus ein Kühl- und ein Spülwagen aufgestellt, die für die Verpflegung der Bewohner genutzt werden.

Die Infektionsschutzmaßnahmen mussten in der Einrichtung mehrfach verschärft werden. Die Auflagen des Gesundheitsamtes werden durch die eingesetzten Pflegekräfte der Bundeswehr, des Pflegepools und die verbliebenen Mitarbeiter des Trägers inzwischen konsequent umgesetzt. Sofort nach Meldung der ersten Fälle ordnete das Gesundheitsamt Maßnahmen zur Unterbrechung der Infektionskette an. Dem Betreiber wurde auferlegt, Isolierstationen im Haus einzurichten. Nachdem trotzdem ein Bewohner nachts das Haus verlassen konnte und erst am nächsten Tag von Einsatzkräften im Nachbarort gefunden wurde, musste die gesamte Einrichtung unter Quarantäne gestellt werden. Ein Bauzaun und ein Sicherheitsdienst erinnern die Bewohner an die Quarantäne-Auflagen. Darüber hinaus wurden weitere Infektionsschutzmaßnahmen angeordnet; u.a. darf Personal nur noch in kompletter Schutzausrüstung arbeiten. Geeignete Schutzausrüstung musste in Ermangelung eigener Vorräte kurzfristig über den Krisenstab bereitgestellt werden.

Das Gesundheitsamt und die „Fachstelle für Pflege- und Behinderteneinrichtungen, Qualitätsentwicklung und Aufsicht (FQA) („Heimaufsicht“) sind seit Beginn der Pandemie in sehr engem Austausch mit allen Pflegeeinrichtungen im Landkreis. Diesen wurden alle Materialen und Informationen zur Vorbereitung auf einen möglichen Covid-Ausbruch zur Verfügung gestellt. Bis zu einer bestätigten Infektion kann die Heimaufsicht aber nur beraten und versuchen, auf die Heimleitungen positiv einzuwirken, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Die Verantwortung für die Umsetzung der Maßnahmen obliegt aber den Trägern der Einrichtung bzw. der Heimleitung.

Mit den ersten bestätigten Fällen greifen die „Handlungsanweisungen für Alten- und Pflegeheime und stationäre Einrichtungen der Eingliederungshilfe (gemeinschaftliches Wohnen)“ des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege. In dem Papier sind verbindliche Handlungsanweisungen festgelegt. Insbesondere müssen Reihentestungen bei allen Bewohnern und Mitarbeitern durchgeführt werden (in Schliersee geschehen am 07.05.2020 und erneut am 15.05.2020). Außerdem werden beispielsweise die Bedingungen für die Isolation von positiv bestätigten Bewohnern und die notwendige Schutzkleidung für Mitarbeiter definiert. Diese Anweisungen sind zwangsweise von der Einrichtungsleitung umzusetzen. Erst in letzter Konsequenz darf der Staat, vertreten durch das Gesundheitsamt, die Maßnahmen zum Schutz der Bewohner in einer privaten Einrichtung ersatzweise durchsetzen.

Durch den zunehmenden Personalausfall war es nicht möglich, die angeordneten Maßnahmen mit den zur Verfügung stehenden Kräften vollständig umzusetzen. Die Lücke hätte auch nicht durch Ehrenamtliche geschlossen werden können, da die Pflege und Betreuung von fast 90 pflegebedürftigen Personen viel zu aufwendig für einige wenige Ehrenamtliche gewesen wäre. Zivile Kräfte hätten die Betreuung nicht stemmen können. Deshalb stellte der Krisenstab des Landkreises einen Amtshilfe-Antrag an die Bundeswehr. Die Bundeswehr unterstützt nun vor Ort nicht nur bei der Pflege durch das Sanitätslehrregiment „Niederbayern“, sondern auch durch „Helfende Hände“ des Gebirgsjägerbataillon 232 im Haushalt und in der Küche.

Bei der täglichen Arbeit in der Einrichtung fielen verschiedene Missstände auf. Der Sachverhalt wurde deshalb an die Ermittlungsbehörden weitergegeben. 

Wegen der Quarantäne-Maßnahmen dürfen weiterhin keine Besucher ins Haus. Die Bewohner in der Einrichtung sind durch den Einsatz von Bundeswehr und Helfern aber gut versorgt. Die Bundeswehr arbeitet in der Einrichtung in zivil, um die Bewohner nicht zusätzlich zu verunsichern.


In einer weiteren Pflegeeinrichtung im Landkreis ist ein Covid-Fall aufgetreten. Der Bewohner wurde allerdings außerhalb seiner Pflegeeinrichtung in Miesbach positiv getestet und befindet sich seitdem auch nicht mehr dort. Vorsichtshalber wurde aber eine Reihentestung gemäß der Handlungsanweisung des Gesundheitsministeriums durchgeführt. Die Befunde liegen noch nicht vor. Gesundheitsamt und Heimaufsicht sind in engem Austausch mit der Heimleitung. Vorbeugende Maßnahmen wurden zuverlässig umgesetzt.