Seiteninhalt
11.02.2019

Schneelasten statt Erdbeben

Normalerweise arbeiten Roland Kadesch und Lars Matzke vom THW Ortsverband im hessischen Dillenburg in Trümmern. Als Baufachberater des Technischen Hilfswerks (THW) werden sie oft in Erdbebengebieten gebraucht. Ganz anders und umso spannender war ihr letzter Einsatz im Landkreis Miesbach: Während der Schneekatastrophe begutachteten sie zig Dächer, die von der Schneelast gefährdet waren. Schneelasten statt Erdbeben – ein Einsatz, der ihnen in Erinnerung bleiben wird. Als Andenken an ihren Einsatz in der Schneekatastrophe überreichten sie nun eine selbstgemachte Uhr.

Das Telefon klingelte bei Roland Kadesch gegen Mitternacht von Samstag auf Sonntag. Der Diplom Ingenieur und sein Kollege Lars Matzke, zusammen ein sogenanntes Baufachberater-Team des THW, sollten sich auf den Weg nach Miesbach machen. Dort herrschte bereits seit fast einer Woche Katastrophenalarm wegen des starken Schneefalls. Der Schnee drückte dort auf Tausende Dächer. Sie mussten begutachtet und bei Einsturzgefahr von Einsatzkräften abgeschaufelt werden.

Kadesch und Matzke haben zusammen schon unzählige Gebäude begutachtet. Normalerweise werden sie allerdings alarmiert, wenn ein Erdbeben ein Gebiet erschüttert hat. Der Einsatz im Schnee war ihr erster. Doch das Baufachberater-Team setzte sich sofort ins Auto und fuhr die 550 Kilometer von Dillenburg nach Miesbach. Knapp eine Woche – von Sonntag, 13. Januar 2019, bis Samstag, 19. Januar 2019, begutachteten sie in 12-Stunden-Schichten zig Häuser. Zuerst schickte sie die Einsatzleitung zu einigen Objekten am Tegernsee, dann nach Bayrischzell.

Die Baufachberater-Teams konzentrierten sich bei ihrer Prüfung auf die Dachkonstruktion im Inneren des Hauses. Anschließend teilten sie das Gebäude in eine der fünf Gefährdungskategorien ein und meldeten ihr Ergebnis an die Einsatzleitung. Diese disponierte dann Einsatzkräfte zu allen Gebäuden mit den Gefährdungskategorien 1 („Dach sofort räumen“), 2 („innerhalb von zwei Stunden räumen“) und 3 („an diesem Tag räumen“). Gebäude der Kategorien 4 und 5 waren nicht gefährdet und mussten deshalb nicht abgeschaufelt werden.

Insgesamt konnte der THW-Ortsbeauftragte des Ortsverbandes Miesbach, Siegfried Faltlhauser, acht Baufachberater-Teams aus ganz Deutschland zur Schneekatastrophe in den Landkreis Miesbach holen. Zusammen begutachteten sie Tausende Häuser. Alleine hätten das die einheimischen Einsatzkräfte nicht stemmen können. Umso herzlicher nahmen sie die externen Helfer im Landkreis auf.

„Wir sind oft außerhalb unterwegs, aber im Landkreis Miesbach wurden wir besonders herzlich aufgenommen“, berichtet Baufachberater Kadesch. Deshalb wolle sich sein Ortsverband Dillenburg erkenntlich zeigen für die konstruktive und angenehme Zusammenarbeit trotz der angespannten Situation. Sein Kollege Lars Matzke hat eine Uhr aus einer Schieferplatte hergestellt – natürlich mit dem Zeichen des Ortsverbandes und dem Hinweis auf den Einsatz im Schnee. Sie hängt nun im Büro von Landrat Wolfgang Rzehak – als Erinnerung an die hervorragende länder- und organisationsübergreifende Zusammenarbeit während der Schneekatastrophe 2019 im Landkreis Miesbach.