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Gemeinsam musizieren – Oemisch-Stiftung für Menschen mit Behinderung fördert Inklusion

Musik verbindet: Deshalb üben Kinder mit und ohne Behinderung gerade für ein Konzert der Musikschule Schlierach-Leitzachtal in Hausham. Sie haben zusammen ein Lied mit Hackbrettern und einer Veeh-Harfe eingeübt. Damit dieses gelungene Integrations-Projekt möglich ist, unterstützt die Oemisch-Stiftung für Menschen mit Behinderung den Unterricht an den Veeh-Harfen. Die Oemisch-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Landkreisbürgern mit Handicap schnell und unbürokratisch zu helfen.

Aufgeregt sind sie eigentlich nicht, schließlich haben sie schon oft zusammen geübt, erzählen die Schwestern Theresa und Sophie Kremb und Sarah Müller. Die Schwestern stehen an ihren Hackbrettern in der Musikschule in Hausham; zwischen ihnen macht sich Sarah mit einer Veeh-Harfe bereit. Sarah wurde mit dem Down-Syndrom geboren. Doch das hält sie nicht davon ab, gemeinsam mit den Schwestern Theresa und Sophie zu musizieren. Im Gegenteil: Zu dritt stimmen sie ein Lied an, das sie extra für ein Konzert eingeübt haben.

Eine Veeh-Harfe ist ein Zupfinstrument, das Laien entfernt an eine Art Zither erinnert. Vertikal auf dem Holzklangkörper sind Saiten aufgespannt. Zwischen Holz und Saiten wird das Notenblatt eingeschoben. Man muss allerdings nicht Noten lesen können, um Veeh-Harfe zu spielen. Auf diesem speziellen Notenblatt sind Punkte abgebildet, in unterschiedlichen Größen und über einen langen Strich miteinander verbunden. Will ein Musikschüler ein Lied auf der Veeh-Harfe spielen, zupft er einfach vorsichtig nacheinander die Saiten, die jeweils über den Punkten liegen. Größe und Farbe der Punkte geben an, wie lange der Ton gehalten werden darf. Fortgeschrittene können zweistimmig, also mit beiden Händen gleichzeitig, zupfen.

Neun Kinder mit Handicap lernen derzeit Veeh-Harfe-Spielen an der Musikschule Schlierach-Leitzachtal in Hausham. Normalerweise übt Musiklehrerin Kathi Bucher mit ihren Schützlingen alleine oder in Zweier-Gruppen an der Veeh-Harfe. Meist sind es Volks- oder Kinderlieder, die die Kinder kennen und singen oder summen können. „Ich verwende viele Elemente aus der musikalischen Früherziehung“, erklärt Bucher. So bringt sie die Kinder spielerisch dazu, die Musik zu verstehen und selbst zu spielen. Mit fortgeschrittenen Kindern wie Sarah Müller gelingt es ihr dann, ein gemeinsames Lied mit anderen Kindern aus der Musikschule für ein Schul-Konzert einzuüben. „Es freut mich zu beobachten, wie die Kinder gegenseitig voneinander profitieren“, sagt sie. Behinderung trenne die Kinder nicht voneinander, sondern verbinde sie – über die Musik.

„Natürlich ist das gemeinsame Musizieren von Kindern mit und ohne Behinderung die optimale Möglichkeit, Inklusion zu verwirklichen“, erklärt Bucher. Doch ihrer Schützlinge müssen zunächst individuell lernen, sicher mit ihrem Instrument umzugehen. Das ist für viele ziemlich schwierig. Aber: „Jeder macht Fortschritte“, berichtet die Musiklehrerin. Neben Spaß und Freude am Musizieren sammeln die Kinder spielerisch Erfolgserlebnisse. So tanken sie Selbstbewusstsein und lernen schneller. Das ist zwar für jedes Kind wichtig, doch für Kinder mit Handicap wesentlich für die Entwicklung.

Damit der Unterricht an den Veeh-Harfen möglich ist, bezuschusst die Oemisch-Stiftung für Menschen mit Behinderung dieses Projekt seit mehreren Jahren. Die Rottacherin Gabriele Oemisch verfügte, dass nach ihrem Tod eine Stiftung mit 1.000.000 Euro zur Unterstützung für Menschen mit Behinderung im Landkreis Miesbach gegründet werden sollte. Seit 2011 wurden aus Zinserträgen und der Kapitalrücklage 100.000 Euro ausbezahlt für Projekte, die Landkreisbürgern mit Behinderung helfen. Rechtsträger ist der Landkreis Miesbach.

„Unser Sozialstaat ist gut“, sagt der Behindertenbeauftragte des Landkreises, Anton Grafwallner, „doch die Stiftung springt ein, wenn er an seine Grenzen stößt.“ Im Stiftungsbeirat entscheidet er zusammen mit Landrat Wolfgang Rzehak, Dr. Klaus Fresenius und Dr. Hans-Joachim Karpf über die Anträge. Zehn Stück waren es 2016. Die Liste mit Fällen, in denen die Oemisch-Stiftung geholfen hat, ist lang und vielfältig; eine Delfintherapie findet sich darunter, der Einbau eines Speziallifts, der barrierefreie Umbau eines Badezimmers, oder eine Familienhilfe. „Wir versuchen, mit der Oemisch-Stiftung schnell und unbürokratisch zu helfen“, sagt Grafwallner.

Informationen zur Oemisch-Stiftung gibt es am Landratsamt Miesbach bei Sylvia Domke (sylvia.domke@lra-mb.bayern.de oder 0 80 25 / 704 1252) oder bei Anton Grafwallner (grafwallner@behindertenkompass.de oder 0 80 22 / 705 788).

Das Konzert der Musikschule Schlierach-Leitzachtal, an dem auch die Veeh-Harfen-Spieler teilnehmen, findet am Samstag, 24. Juni 2018, um 10.30 Uhr im Fischbachauer Klostersaal statt.