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15.11.2019

Denkmalschutzmedaille des Landkreises Miesbach verliehen

Im „Kultur im Oberbräu“ sind die Denkmalschutzmedaillen des Landkreises Miesbach 2019 verliehen worden. Die Auszeichnungen gingen heuer an drei Objekte in Miesbach und an ihre Bauherren. Ausgezeichnet wurden das „Schwarzmilchanwesen“, „Beim Jager“ und „Beim Hofer“. Der ehemalige Kreisbaumeister Werner Pawlovsky wurde für seinen langjährigen Einsatz geehrt. Die Veranstaltung der Unteren Denkmalschutzbehörde wurde erstmals von dem Holzkirchner Architekten Christian Boiger moderiert, der seit Oktober Leiter der Behörde ist. Der Südtiroler Architekt Werner Tscholl brachte die Zuhörer in seinem Vortrag über seine sensationellen Projekte zum Staunen und Lachen.

Landrat Wolfgang Rzehak erinnerte in seinem Grußwort daran, dass es wohl oft einfacher wäre, „ein altes Bauwerk abzureißen und gegen ein modernes einzutauschen. Doch mit den Steinen, Ziegeln, dem Holz und dem Glas, das bei einem Abriss vernichtet wird, geht auch die Seele des Hauses verloren. Und die ist mindestens genauso viel Wert wie der Rest.

Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte. Diese Geschichte ist wiederum Teil unser Aller Geschichte; der Historie des Landkreises Miesbach und seiner Bewohner in den vergangenen Jahrzehnten.

Wer sich dafür einsetzt, ein Baudenkmal zu erhalten, trägt zur kulturellen Identität unseres Landkreises bei. Wer wir sind, was uns ausmacht und woher wir kommen, spiegelt sich in unseren Denkmälern wieder“, so der Landrat.

 

Der Erste Bürgermeister des Marktes Holzkirchen, Olaf von Löwis of Menar, überlegte in seinem Grußwort, „ob auch heute im Landkreis Miesbach Gebäude entstehen, die von späteren Generationen noch als mögliches Denkmal klassifiziert werden können“. Von Löwis kam dafür die Kirche St. Josef in Holzkirchen in den Sinn. Die ab 2016 entstandene römisch-katholische Kirche ist ein Entwurf des Münchner Architekten Eberhard Wimmer. Sie wurde bereits für ihre außergewöhnliche Formensprache und Materialität ausgezeichnet.

 

Dem Eigentümer eine Last, für das Stadtbild keine Zierde

 

Als erstes Objekt des Abends wurde das „Schwarzmilchanwesen“ in Miesbach mit der Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Bauherr des kleinen Stadthauses im Ensemble am Marktplatz 18 ist Ulrich Hirmer. Der Platz ist nach Auskunft von Laudator Bernhard Mayer vom Landratsamt Miesbach geprägt von „schlichten, oft ländlich anmutenden Handwerkerhäusern“. Nach einem Stadtbrand wurde es 1783 wiedererrichtet. Dann war es in die Jahre gekommen, für „die Eigentümer eine Last geworden, für das Stadtbild keine Zierde“, so Mayer. Der Schlierseer Architekt Johannes Wegmann restaurierte das Gebäude zusammen mit seiner Mitarbeiterin Theresa Könekamp.

 

Als zweites Projekt wurde die Generalsanierung des Anwesens „Beim Jager“ in Miesbach ausgezeichnet. Laudator Werner Pawlovsky nannte das Haus „ein eigensinniges Familienmitglied“. Pawlovsky berichtete von Datum 1658, welches im Haus eingeschnitten ist. Das Dach wurde auf das Jahr 1788 datiert. Zur Wahrung des charakteristischen Denkmalbestandes wurde eine „mehrjährigen Planungs- und Instandhaltungsgeschichte“ notwendig, die die Bauherren Veronika und Armin Pilger überstanden.

 

Der Einödhof „Beim Hofer“, Hof 74 in Miesbach ist der dritte Preisträger. Auch heute noch ist er nur über einen gewundenen Schotterweg zu erreichen. Der Hof war insgesamt in einem „leicht verwittertem Zustand“, wie Laudator Frank Seehausen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege berichtete. Er lobte „die sehr behutsamen denkmalpflegerischen Maßnahmen“. Die Restaurierung des Einödhofes wurde ausgezeichnet, weil „diese Arbeit in ihrer Art Vorbild sein kann“.

 

Ehrenmedaille für Werner Pawlovsky

 

Heuer wurde außerdem eine besondere Medaille verliehen: Der ehemalige Kreisbaumeister Werner Pawlovsky – mittlerweile im Ruhestand – wurde für seine Lebensleistung und für seinen Einsatz für den Denkmalschutz ausgezeichnet. Der sagte in seiner Replik, er habe immer gegen die Vorurteile gegen den Denkmalschutz angekämpft, wonach „alles entsetzlich lange dauert und alles ist entsetzlich teuer“. Pawlovsky dankte auch Christian Boiger, der als neuer Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde einen Teil der Tätigkeiten eines Kreisbaumeisters übernommen hat. Obwohl erst kurz im Dienst, musste die Preisverleihung durch den Einsatz von Boiger „keine Pause einlegen“, so Pawlovsky.

 

Brillianter Gastredner

 

Christian Boiger hatte auch gleich bei der Auswahl des Gastredners eine sehr glückliche Hand bewiesen. Werner Tscholl war Italiens Architekt des Jahres 2016. In Holzkirchen brachte er die Zuhörer bei der Vorstellung seiner kühnen Werke zum Lachen und zum Staunen: Er präsentierte ein Haus, in den Fels hineingeschnitten, mit einer ausfahrbaren Terrasse. Ein anderes Gebäude, 360 Grad verglast, schien fast zu schweben. „Statisch an der Grenze des Machbaren“, wie Tscholl trocken kommentierte. Sein Motto ist „Altes bleibt alt, Neues wird neu“. Er versucht, auch Gebäude, die anscheinend keine Wert mehr haben, zu erhalten. Seine Kombination von Altem mit Neuem nennt er „Revitalisieren – Geschichte weiterbauen“. Dabei ist es dem Südtiroler Architekten wichtig, dass alles Neue ohne Rückstand wieder zurück gebaut werden kann.