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30.12.2020 Update Corona Landkreis Miesbach - Impfungen in Senioreneinrichtungen schreiten gut voran, Anschreiben an Über-80-Jährige, wenn Terminvereinbarung möglich - Keine Entspannung bei Ausflugstourismus

Dr. Thomas Straßmüller ist derzeit täglich in einer anderen Pflegeeinrichtung im Landkreis zu Gast und führt dort Corona-Schutzimpfungen durch. Am Sonntag, 27.12.2020, wurden 100 Dosen verimpft, am gestrigen Dienstag, 29.12.2020, 159 Dosen und bis heute Abend kommen weitere etwa 100 Dosen hinzu. Geimpft werden jeweils alle Bewohner der Einrichtungen, die der Impfung freiwillig zustimmen, sowie das Personal in den Einrichtungen ebenfalls auf freiwilliger Basis. Unterstützt wird Straßmüller von einem kleinen Ärzte-Team und Mitarbeitern des BRK-Kreisverbandes Miesbach. Ab 15.01.2021 starten die Reihen-Termine in den Einrichtungen für die notwendige zweite Impfung. „Der Plan wäre, dass wir bis Ende Januar alle Pflegeeinrichtungen mit Impfstoff versorgt haben. Dann können hoffentlich wir Ärzte und die Koordinierungsgruppe, vor allem aber die Angehörigen, aufatmen, denn der Impfstoff soll schwere Krankheitsverläufe abmildern.“

Dieser Zeitplan wurde heute Nachmittag durchkreuzt: Das Gesundheitsministerium teilte mit, dass in der ersten Januarwoche mit keinen Lieferungen zu rechnen ist. Der Zeitplan verzögert sich also dadurch voraussichtlich.

Der limitierende Faktor in den Planungen ist nach wie vor die Verfügbarkeit des Impfstoffes: Bis zum Ende des Kalenderjahres 2020 werden dem Landkreis Miesbach 750 Impf-Dosen zugeteilt worden sein; 100 am 26.12.2020, sowie jeweils 325 am 28.12.2020 und am 31.12.2020. Für das neue Jahr ist noch nicht bekannt, wie viele Dosen und wann diese zugeteilt werden.

Leider kann daher auch noch kein Impf-Start für die priorisierte Gruppe der Bürger über 80 Jahren im Impfzentrum in Hausham benannt werden. Solange nicht klar ist, wann ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, können noch keine Termine vergeben werden. „Sobald absehbar ist, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, werden alle Landkreisbürger über 80 Jahren unverzüglich per Post vom Impfzentrum angeschrieben und können dann einen Termin im Impfzentrum in Hausham vereinbaren. Sie können einen Termin auch ohne Anschreiben ausmachen, sobald das Impfzentrum geöffnet hat, wenn sie ihr Alter nachweisen. Die Briefe für die insgesamt 7.500 Menschen über 80 Jahren werden zeitnah verschickt, sinnvollerweise dann, wenn ausreichend Impfstoff angekündigt ist und geliefert wird“, erklärt Impfzentrums-Organisatorin Beate Faus.

Anrufer an der Hotline des Impfzentrums werden zunehmend ungeduldig, dass noch keine Termine vereinbart werden können. Die Unsicherheit ist gerade bei älteren Menschen, bei denen ein schwerer Krankheitsverlauf wahrscheinlicher ist, absolut verständlich. Deshalb werden Menschen über 80 Jahren auch priorisiert und können zuerst Termine vereinbaren, sobald eben der Impfstoff verfügbar ist. Gerne können Menschen über 80 Jahren bereits jetzt auf der Seite www.landkreis-miesbach.de/impfzentrum den Anamnese-Bogen herunterladen und ausfüllen. Auf diesem Blatt müssen die Krankengeschichte und mögliche Medikamente dokumentiert werden, bevor die Impfung durchgeführt wird. Angehörige werden gebeten, Menschen über 80 Jahren beim Ausfüllen zu unterstützen. Bei längeren Krankheitsgeschichten empfiehlt sich, den Hausarzt hinzuzuziehen.

Unterdessen ist noch keine Entlastung beim Ausflugstourismus zu spüren. Landrat Olaf von Löwis hatte sich am Montag per SMS an Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner sowie an Ministerpräsident Markus Söder gewandt. Beide regierten prompt auf seine Anfrage. Söder riet von Löwis, Sperrungen und Betretungsverbote zu prüfen. „Das ist die ultima ratio“, betont von Löwis. Denn klar müsse auch sein: Sperrungen oder Betretungsverbote gelten für alle, auch für die Einheimischen. Rechtlich ist es nicht möglich, zwischen einem Landkreisbürger und einem Bewohner eines anderen Landkreises zu unterscheiden. Von Löwis lässt diese rechtlichen Möglichkeiten gerade prüfen. „Der Ansturm, beispielsweise am Dienstag am Spitzingsee, mit einem über 3,5 Kilometer langen Stau schon am Vormittag, bestätigt, dass wir überrannt werden“, sagt von Löwis. Nicht nur auf den Straßen entwickelt sich der überbordende Ausflugstourismus zum Problem: Am Dienstagnachmittag sind innerhalb einer Stunde gleich vier Schlittenfahrer mit Knöchelbrüchen ins Krankenhaus Agatharied eingeliefert worden. Von Löwis und Aigner haben daher mit den umliegenden Landräten Kontakt gesucht. „Dort sagte man mir, dass der Druck in anderen Landkreisen aktuell nicht so stark sei wie speziell am Spitzingsee“, so von Löwis.