Seiteninhalt
22.01.2020

Asiatischer Laubholzbockkäfer: Landratsamt Miesbach klagt gegen Allgemeinverfügungen

Schlechte Nachrichten Anfang August 2019: An einem Ahornbaum wurde der Schädling Asiatischer Laubholzbockkäfer entdeckt. Nach einer längeren Beobachtung – auch mit Spürhunden – erließen die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die Bayerische Landesanstalt für Forst und Waldwirtschaft Allgemeinverfügungen: Innerhalb einer Befallszone von 100 Metern um die befallenen Bäume sollen Pflanzen von 17 Gattungen abgeholzt werden.

Für die Stadt Miesbach würde dies ein komplettes Abholzen aller Bäume aller drei Stadtparks bedeutet. Das ist unverhältnismäßig, meint der Fachliche Naturschutz. Eine Fällung der Bäume der Big Five reiche aus: Ahorn, Kastanie, Birke, Pappel, Weide.

Der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB) ist ein gefährlicher Schädling, der im Jahr 2001 zum ersten Mal in Europa aufgetreten ist. In Bayern gibt es momentan fünf Befallsgebiete. Ziel der Bekämpfung ist es, den Quarantäneschädling vollständig wieder auszurotten. In zwei ehemals befallenen Gebieten ist das schon gelungen.

Grundsätzlich hat auch der Landkreis Miesbach keine Zweifel an der Vorgehensweise zur Bekämpfung des Käfers. Nach Kenntnis des Fachlichen Naturschutzes gibt es aber nur ausreichende Beweise, die die Fällung und Vernichtung des Holzes von fünf Baumgattungen rechtfertigen: Ahorn, Kastanie, Birke, Pappel Weide.

Der Kreis hat daher Anfechtungsklage erhoben gegen die Allgemeinverfügungen der LfL: Die Aufnahme einiger Pflanzengattungen in die Liste der spezifierten Pflanzen sei fehlerhaft und nicht ausreichend fachlich fundiert.

Der Landkreis Miesbach ist betroffen, da er Eigentümer mehrerer Flächen in der Quarantänezone ist. Die Untere Naturschutzbehörde hat bereits Ausnahmeanträge gestellt. Unter anderem geht es dabei um eine riesige Buche im Innenhof des Landratsamtes, die ein Naturdenkmal ist. In Miesbach ist aufgrund der Allgemeinverfügung die Fällung von 5.000 Gehölzen in der Befallszone mit einem Radius von 100 Metern geplant.

Betroffen sind 17 Baumgattungen, die auf der Liste der „spezifizierten Pflanzen“ stehen. Außerdem sind aufwändige Monitoringmaßnahmen in einer Quarantäne Zone mit einem Radius von zwei Kilometern um die befallenen Bäume geplant, an Wirtspflanzen von 27 Gattungen. Das ist nicht zielführend, meint der Fachliche Naturschutz, wenn diese Pflanzengattungen als Wirt des Käfers gar nicht geeignet sind.


Martina Lewald-Brudi ist die Sachverständige für Baumpflege und Verkehrssicherheit von Gehölzen beim Fachlichen Naturschutz. Sie meint: „Die vorbeugenden Fällungen bestimmter Gattungen aus der Liste über die Big Five hinaus ist zu einer effektiven Ausrottung des ALB nicht erforderlich“. Gleichzeitig entstünden unverhältnismäßig hohe wirtschaftliche Schäden – durch die Kosten für die Fällungen, die Entsorgung und die Nachkontrolle. Der ökologische Schaden sei groß, durch den Verlust von Lebensräumen und Arten. Die Auswirkung auf das Ortsbild sei einschneidend.

Im Befallsgebiet in Miesbach sollen vorbeugend bis zu 1.000 Buchen gefällt werden, mindestens 100 Bäume mit einem Stammdurchmesser von mehr als 50 Zentimetern, rund 400 Eschen, 250 Linden und 50 Erlen. „Es ist für uns nicht ausreichend wissenschaftlich erwiesen, dass der gefährliche Schädling den ganzen Entwicklungszyklus auf diesen Baumarten durchlaufen kann. Eine Fällung der Bäume ist daher nicht verhältnismäßig“.

Die zuständige Abteilungsleiterin Umwelt, Regierungsrätin Christina Eder ist zuversichtlich, dass die Anfechtungsklage vor dem Verwaltungsgericht in München Erfolg haben wird. „Unsere Anfechtungsklage ist begründet, da die Allgemeinverfügung teilweise rechtswidrig ist“, meint die Juristin. Der Landkreis Miesbach wird in seinen Eigentumsrechten verletzt und es entstehen erhebliche Kosten, die fachlich nicht zu begründen sind“, so Eder.