Was ist On-Demand-Mobility?
On-Demand-Mobility, kurz ODM oder auch On-Demand-Verkehre, steht für die digitale Weiterentwicklung des klassischen Anruf-Sammel-Taxis. Die Buchung von Fahrten erfolgt über entsprechende App-Lösungen, und eine intelligente Dispositionssoftware ermöglicht eine flexible und ressourcenschonende Routenplanung nach Bedarf (on-demand).
Seit der Novelle des Personenbeförderungsgesetzes (PBefG) im Jahr 2021 besteht der §44 Linienbedarfsverkehr, der den rechtlichen Rahmen für diese vergleichsweise junge Form der Verkehrsangebote definiert. Dieser Paragraph beschreibt den Verkehr als "die Beförderung von Fahrgästen auf vorherige Bestellung ohne festen Linienweg zwischen bestimmten Einstiegs- und Ausstiegspunkten innerhalb eines festgelegten Gebietes und festgelegter Bedienzeiten". Darüber hinaus umfasst er Verpflichtungen wie die Integration in den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), Tarifpflicht und die Gewährleistung von Barrierefreiheit.
Die Vorteile dieses Angebots sind vielfältig:
- Ressourcenschonende, bedarfsgesteuerte Routenplanung reduziert unnötige Umwege und maximiert die Effizienz der Fahrzeugnutzung.
- Die hohe Dichte an virtuellen und physischen Haltestellen macht das Angebot für alle Nutzergruppen attraktiver.
- Die Personalgewinnung ist durch die Fahrzeuggröße (Kleinbus/Neunsitzer) deutlich erleichtert. Das Fahrpersonal benötigt lediglich einen Autoführerschein sowie einen Personenbeförderungsschein.
- Die steigende Nachfrage nach Flexibilität in der Gesellschaft wird bedient.
- Die digitale Unterstützung des Systems erleichtert eine zukünftige Integration autonomer Fahrzeuge.
Die verschiedenen Ausgestaltungsformen von ODM, ob mit oder ohne Fahrplan, weisen jeweils spezifische Vor- und Nachteile auf. Der Flächenbetrieb ohne Fahrplan (Beispiel hoki+ oder MVV FLEX) geht häufig mit erhöhtem Dispositionsaufwand und geringerer Bündelungsquote einher, ist aber aufgrund der Angebotsdichte und Flexibilität hochgradig attraktiv und tendenziell eher in Räumen mit dichter Siedlungsstruktur geeignet. Die ODM-Formen mit Fahrplan, Bedarfslinienverkehr, Richtungsbandbetrieb und Sektorenbetrieb, finden häufiger in ländlicheren Regionen mit disperser Siedlungsstruktur als Ab- und Zubringer zu zentralen Verkehrsknotenpunkten und städtischen Zentren Anwendung. Das Angebot wird zu theoretisch festgelegten Zeiten (z.B. im Halbstundentakt) auf Bedarf bedient, erscheint somit als weniger attraktiv, dafür ist die Wahrscheinlichkeit eines ressourceneffizienten Betriebes deutlich erhöht. Eine sehr erfolgreiche Anwendung dieses Modells findet sich unter anderem in Fürstenfeldbruck in Form des MVV-RufTAXIs wieder.
Die Planung und Umsetzung eines ODM-Verkehrs birgt zudem zahlreiche Herausforderungen. Ein ausgewogener Kompromiss zwischen Angebotsqualität und Wirtschaftlichkeit unter Einhaltung gesetzlicher Vorgaben und Förderkriterien ist erforderlich. Dabei müssen geografische, demografische und strukturelle Gegebenheiten ebenso berücksichtigt werden wie die Bedürfnisse des Aufgabenträgers und der Bürger.
Die Ausgestaltung und Attraktivität eines zukünftigen ODM-Angebotes werden durch all diese Komponenten maßgeblich beeinflusst.
Wenn Sie dieses sehr spannende, komplexe und vielschichtige Thema interessiert, empfehlen wir Ihnen "Agora Verkehrswende – Mobilitätsoffensive für das Land (02/2023)" sowie "BBSR – Handbuch zur Planung flexibler Bedienformen im ÖPNV (2023)".
Falls Sie wissen möchten, welche Rolle ODM zukünftig in unserem Landkreis einnehmen wird, empfehlen wir den vorrangegangenen Newsletter-Artikel zu "On-Demand-Verkehre im Landkreis Miesbach".